Standesamt
Kreuzungsbereich Remberg-/Rathausstraße/Märkischer Ring
Das Standesamt zeigte alle Personen an, die heiraten wollten und verdächtig waren, „fremdrassig“ (Juden, Sinti) oder „erbbelastet“ zu sein.
Wer in NS-Deutschland heiraten wollte, musste sich vorher beim
Gesundheitsamt einer „Ehetauglichkeitsprüfung“ unterziehen. Wegen Überlastung
der Behörde entschied das Standesamt nach Verdacht über die Notwendigkeit
dieser Prüfung.
Die Standesämter wurden frühzeitig über den Beginn der systematischen
Patientenmorde informiert. Die Häufung von Todesfällen aus bestimmten Orten,
die dem Amt gemeldet werden mussten, sollte nicht nach außen dringen. Überhaupt
war das Wissen über die Euthanasie in den kommunalen Verwaltungen groß. 1940
wurden zahlreiche Oberbürgermeister und Bürgermeister zu einer Besprechung im
Haus des Deutschen Gemeindetages nach Berlin eingeladen. Dort erfuhren sie
Details über die „Euthanasie“ und erhielten praktische Informationen, die sie
an die städtischen Beamten weitergaben, zum Beispiel zum Umgang mit den
zahlreichen Urnen aus Todesanstalten. Auch die Oberstaatsanwälte wurden eingeweiht, damit sie Ermittlungen
wegen Mordes unterbanden. Wie beim Holocaust und anderen NS-Verbrechen wussten
die Deutschen viel mehr, als sie nach 1945 zugaben.

Ehemaliges Standesamt
Benno Arias Viebahn
Das Gebäude des Standesamtes befand sich in der ehemaligen Fleyer Straße 1, ungefähr dort, wo sich heute der Parkplatz an der Kreuzung Remberg-/Rathausstraße/Märkischer Ring befindet, also gleichsam in der Nachbarschaft des im Hintergrund zu sehenden früheren Schulheftewerks "Heyda".

Schreiben des Standesamtes, 8.8.1941
Ein Standesamtsbeamter meldete die Verlobten August Elosge und Else Becker beim Gesundheitsamt, als sie heiraten wollten. Die Heiratsgenehmigung war davon abhängig, ob das Amt sie als „vollwertige“ oder „minderwertige“ Menschen einstufte. Letztere bekamen in der Regel Eheverbot. August Elosge hatte Glück: Er durfte heiraten, obwohl jemand in seiner Familie als „erbbelastet“ galt und zwangssterilisiert worden war. Bei der Überprüfung wurden in einem standardisierten Verfahren Auskünfte bei den sozialen Diensten der Stadt über sie und ihre Familie gesammelt.

Else Wolff, 1938
Stadtarchiv Hagen
Die 22-jährige Else Wolff aus Halden musste sich 1938 einer Ehetauglichkeitsuntersuchung unterziehen.
Ich will mehr wissen
- Rainer Stöcker, Hagener NS-Opfer. Zwangssterilisierungen in Hagen, Hagen 2019.
