Städtisches Altenheim
Rheinstraße (Gebäude zerstört)
Wie Kranke und Menschen mit Behinderung galten Altenheimbewohner in NS-Deutschland als „unproduktiv“ und wurden ermordet.
Altenheimbewohner wurden wie Anstaltspatienten seit 1939 im Rahmen der „Euthanasie“ erfasst und ermordet. Die Nationalsozialisten gingen allerdings diskreter und vorsichtiger vor. Deutsche Altenheimbewohner wurden erst ab 1942 in großer Zahl ermordet. Ein „natürliches“ Sterben - an Hunger und Kälte - begann aber schon 1933 mit den radikalen Sparmaßnahmen in allen Wohlfahrtseinrichtungen, von denen die Altenheime nicht verschont blieben.

Städtisches Altenheim, vor 1928
Städtisches Altenheim, vor 1945. Privatarchiv Jens Bergmann
Im Bereich von Rhein- und Funckestraße, das heißt: ungefähr dort, wo sich nahebei heute das städtische Veranstaltungsgelände "Otto-Ackermann-Platz" und ein Bürogebäude befinden, standen vor 1932 die Gebäude des städtischen Kinderheims und des städtischen Altenheims ("Pflegehaus"). Die Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Umgeben waren die Bauten mit von den Insassen bestellten Feldern.

Städtisches Kinderheim, vor 1928
„Bilder und Beiträge aus der Krankenfürsorge der Stadt Hagen“, 1927
Im Gebäude des Kinderheims war anfänglich das städtische Armenhaus untergebracht. Das Kinderheim wiederum wurde nach 1932 als Altenheim umgenutzt.

Plan mit der Lage des städtischen Alten- und Kinderheimes, 1943
Amt für Geoinformation der Stadt Hagen
Das Kinderheim wurde 1932 aus Kostengründen geschlossen und, wie aus dieser Karte zu entnehmen ist, vom Altenheim übernommen.

Anna Tripp, Foto aus ihrer Patientenakte, um 1936
LWV-Archiv Kassel, K 12, Nr. 2056
Die Hagenerin Anna Tripp, die im städtischen Altenheim am Ischeland wohnte, wurde 1943 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet.
Ich will mehr wissen
- Pablo Arias Meneses, Vergessene Opfer. NS-Euthanasie in Hagen, Hagen 2019, S. 38-41.
- TH. P. Braun, Bilder und Beiträge aus der Krankenfürsorge der Stadt Hagen i.W., Düsseldorf 1927, S. 23-26.
