Marienhospital
Bergstraße 56
Im Katholischen Marienhospital wurden die Sterilisierung und eine Zwangsabtreibung der 23-jährigen Edith Meyer empfohlen, als sie im 5. oder 6. Monat schwanger war. Sie überlebte die OP nicht.
Die katholische Kirche lehnte offiziell Zwangssterilisierungen und -abtreibungen ab. Diese fanden deshalb fast immer in evangelischen oder städtischen Kliniken statt. Allerdings führten dort auch katholische Ärzte mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Kirche solche Eingriffe durch. Zudem zeigten die Ärzte in katholischen Einrichtungen Sterilisierungsopfer an.
„Euthanasie“-Opfer wurden ebenfalls in katholischen Einrichtungen erfasst. Das 15-jährige Mädchen Irmgard Regulski aus Hagen-Haspe wurde aus dem katholischen Kinderheim an der Berliner Straße 121 in die „Kinderfachabteilung“ Aplerbeck verlegt und dort 1943 ermordet.
Weitere Hagener Kinder starben in der „Kinderfachabteilung“, die in der Anstalt St. Johannes-Stift in Marsberg untergebracht war. Die katholischen Ordensschwestern sprachen von ihren Schützlingen in Sinne der NS-Ideologie als „Minderwertige“, „unnütze Esser“ und „Schmarotzer“ und befürworteten Sterilisierungen. In der Einrichtung starben zwischen 1943 und Anfang de 1950er Jahre rund 400 Kinder, teilweise an Hunger oder durch Gewalt der Pflegekräfte.

Ehemaliges Katholisches Marien-Hospital, 2025
Benno Arias Viebahn
Dr. Ritter, während der NS-Zeit leitender Arzt im Marienhospital, verweigerte anfänglich Auskünfte über seine PatientInnen, musste sich aber dem massiven Druck beugen. Nach dem Krieg gehörte Ritter zu den Personen, die seinen Kollegen Dr. Scheulen, Leiter des Gesundheitsamtes, in Schutz nahmen und fälschlicherweise behaupteten, er sei kein aktiver Nationalsozialist, sondern ein überzeugter Katholik gewesen.

Schreiben des Gesundheitsamtes, 28.11.1939
Stadtarchiv Hagen
Abtreibungen waren in Nazideutschland strengstens verboten, außer für „Erbbelastete“ und „rassisch Minderwertige“. Auch das Hausmädchen Edith Meyer aus Hagen-Wehringhausen wurde 1938 von Dr. Derichsweiler im Marienhospital als erbbelast angezeigt. Die Mutter beschrieb sie als ein stilles, einsames Mädchen, das keine Freundinnen hatte. Laut Dr. Derichsweiler sei sie unterdurchschnittlich intelligent gewesen. Als Beweis galt für ihn, dass sie ein Kind eines unbekannten Vaters erwartete. Die NS-Ideologie verband Rassismus und Frauenfeindlichkeit. Frauen, die das NS-Ideal von Frau und Mutter nicht erfüllten und über ihr Sexualleben frei entschieden, wurden als „Asoziale“ abgestempelt und nicht selten zwangssterilisiert. Dr. Derichsweiler empfahl Edith Meyers Sterilisierung und eine Abtreibung, da sie im 5. oder 6. Monat schwanger war. Sie wurde am 22.11.1938 von Dr. Neussel operiert, ordnungsgemäß in einem evangelischen Haus, dem Allgemeinen Krankenhaus. Dort starb sie kurz darauf im Alter von 23 Jahren.

Dr. Derichsweiler
100 Jahre Marien-Hospital Hagen, Hagen 1957
Er empfahl Zwangssterilisierungen und Zwangsabtreibungen von Patienten des Marien-Hospitals. Katholische Ärzte durften Patienten anzeigen und unter Umständen auch bei Eingriffen assistieren.
Ich will mehr wissen:
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Ausstellung „Gegen das Vergessen“, 2025
- Rainer Stöcker, Vergessene NS-Opfer. Zwangssterilisierungen in Hagen, Hagen 2019, S. 73-74.
- Pablo Arias Meneses, Vergessene Opfer. NS-Euthanasie in Hagen, Hagen 2019, S. 48-51
- Marien-Hospital Hagen,
100 Jahre Marien-Hospital Hagen, Hagen 1957
- Ingrid Richter, Katholizismus und Eugenik in der Weimarer Republik und
im Dritten Reich. Zwischen Sterilisation und Rassenhygiene, Paderborn 2001.
