Julius Weiss

Augustastraße 77

Das Gesundheitsamt verbot Julius Weiss 1939, seine schwangere Freundin zu heiraten, da er ein Sinto war. Weiss überlebte mehrere KZs und konnte erst 1945 seine Tochter kennen lernen.

00:01:59

Julius Weiss, geboren 1918, arbeitete 1938 als Schlosser und Metallarbeiter in Hagen, zuletzt bei der Firma Wittmann. Er wohnte in Hagen-Wehringhausen. Der 20-Jährige verliebte sich in seine Nachbarin, Anna Bache, und sie beschlossen zu heiraten.

Julius Weiss war Sinto. Das Gesundheitsamt lehnte die Eheschließung ab, weil Sinti und Roma wie Menschen mit Behinderung als „Untermenschen“ galten. Dennoch zog das Paar zusammen in die Fleyer Straße 148a.

1940 wurde Julius Weiss festgenommen. Danach saß er im Gefängnis Fort Zinna (Torgau, Sachsen) in Haft. Er wurde 1941 ins KZ Dachau verlegt und acht Monate später ins KZ Sachsenhausen, wo er bis Kriegsende blieb.

Julius Weiss überlebte die vier Jahre im KZ nur, weil er sich als gelernter Handwerker in der Lagerwerkstatt nützlich machen konnte. Nach Kriegsende kehrte er in das zerstörte Hagen zurück. Zum ersten Mal sah er seine mittlerweile 5-jährige Tochter.


Noch in den 1980er Jahren kämpfte Julius Weiss vergeblich um eine Entschädigung.

Schüler der Janusz-Korczac-Schule-Grundschule verlegten 2021 einen Stolperstein für Julius Weiss in Hagen-Wehringhausen, einem Stadtteil, in dem heute viele von Armut und Ausgrenzung bedrohte osteuropäische Roma leben.

Ich will mehr wissen:

  • Ausstellung „Gegen das Vergessen“, 2025
  • Pablo Arias Meneses, Das kurze Leben des Eduard Dunker. Hagener Opfer der NS-Militärjustiz, Hagen 2021, S. 83-85.
  • Rainer Stöcker, Vergessene NS-Opfer. Zwangssterilisierungen in Hagen, Hagen 2019, S. 89-91 und 109.