Haus Zoar
Siemensstraße 14
Im Kinder- und Säuglingsheim Haus Zoar wurden Kinder mit Behinderung erfasst, die später ermordet wurden. Die zuständige Ärztin leitete auch die Kinderabteilung des Allgemeinen Krankenhauses.
Im Haus Zoar wohnten vor und nach 1945 junge,
oft minderjährige Mütter mit ihren Säuglingen und Kleinkindern.
Kinder- und Jugendheime waren während der
NS-Zeit im Visier des Gesundheitsamtes der Stadt Hagen, das dort nach
„Erbbelasteten“ suchte. Hagener Kinder und Jugendliche wurden
zwangssterilisiert oder ermordet. Schon 1934, im Jahr des Inkrafttretens des
Sterilisierungsgesetzes, untersuchte ein Jugendpsychiater in den Hagener
Einrichtungen 37 Verdächtige, von denen acht zur Sterilisation gemeldet wurden.
1939 wurde eine junge Frau, die im Haus Zoar wohnte, angezeigt und
zwangssterilisiert.
Dr.
Hildegard Post, geb. 1893, betreute seit 1938 gleichzeitig das Haus Zoar und
die Kinder- und Säuglingsstation im Allgemeinen Krankenhaus, die sie 1933
gegründet hatte. In beiden Einrichtungen wurden Kinder erfasst, die damals als
„minderwertig“ galten.
Das
Mädchen Edeltraud Meyer aus Hagen-Eilpe kam 1938 nach einer schweren Geburt zur
Welt und musste mehrere Monate auf der Säuglingsstation des Allgemeinen
Krankenhauses versorgt werden. Als das Kind anderthalb Jahre alt war, kam es
ins Haus Zoar. Edeltraud blieb dort fast zwei Jahre, dann wurde sie auf
Initiative einer Assistenzärztin des Allgemeinen Krankenhauses in die
„Kinderfachabteilung“ Aplerbeck eingewiesen, die seit zwei Jahren eine
Tötungsanstalt war. Dort wurde Edeltraud 1943 ermordet.
Mindestens ein weiteres Kleinkind, Helga
Völker aus Hagen-Eppenhausen, wurde im Allgemeinen Krankenhaus behandelt und
danach in eine „Kinderfachabteilung“ eingewiesen und ermordet, in diesem Fall
in Marsberg.
In einer Kurzbiographie über Dr. Post ist zu
lesen: „Die größten Verdienste hat sie sich durch die Einrichtung einer Kinder- und
Säuglingsstation am allgemeinen Krankenhaus erworben.“

Haus Zoar, 2025
Benno Arias Viebahn
Hagener Kinder und Jugendliche wurden zwangssterilisiert oder ermordet. Schon 1934, im Jahr des Inkrafttretens des Sterilisierungsgesetzes, untersuchte ein Jugendpsychiater in den Hagener Einrichtungen 37 Verdächtige, von denen acht zur Sterilisation gemeldet wurden. 1939 wurde eine junge Frau, die im Haus Zoar wohnte, angezeigt und zwangssterilisiert. Das ehemalige Säuglings- und Mädchenheim Haus Zoar ist seit 1991 eine Kindertagesstätte.

Konkordiatraße 26
Benno Arias Viebahn
Dr. Hildegard Post hatte ihre Praxis in einer repräsentativen Villa in der Konkordiastraße, die den Krieg überstanden hat. Dr. Post hatte nach eigenen Angaben schon 1932 die NSDAP gewählt, der sie später beitrat. Nach 1945 arbeitete sie weiterhin als Kinderärztin. 1946 heiratete sie Dr. Robert Hassel, geb. 1886, der ebenso im Allgemeinen Krankenhaus tätig war. Hassel war ein fanatischer Nationalsozialist, der schon vor 1933 SA- und NSDAP Mitglied gewesen war. In der NS-Zeit saß er im Stadtrat. Als Hagener Kreisleiter des Amtes für Volksgesundheit und des NS-Ärztebundes und Laienrichter im Erbgesundheitsgericht half er aktiv bei der Durchsetzung der Rassengesetze der Nazis.

Allgemeines Krankenhaus für die Stadt Hagen, 1940
Hagener Heimatbund
1933 wurde hier eine Kinderabteilung gegründet, die 1938 erweitert wurde. Es ist bisher wissenschaftlich nicht geklärt, ob außer in den „Kinderfachabteilungen“ auch in städtischen Krankenhäusern Kinder ermordet wurden. Es ist vielleicht kein Zufall, dass die Berliner Stelle, bei der „erbbelastete“ Kinder gemeldet wurden, immer nachfragte, ob das Kind schon gestorben sei und die Einweisung in einer „Kinderfachabteilung“ sich erledigt habe.

Westfälisches Tageblatt, 6.7.33
Dr. Hildegard Post hatte parallel zu ihrer Tätigkeit im Allgemeinen Krankenhaus und in Haus Zoar eine nah gelegene Praxis.
Ich will mehr wissen:
-
Ausstellung „Gegen das Vergessen“, 2025
- Pablo Arias Meneses, Vergessene Opfer. NS-Euthanasie in Hagen, Hagen 2019, S. 50
- Dorothea Siewert, "Tatkräftig - zielstrebig - einfallsreich",
S. 276-277, in: Heimatbuch Hagen + Mark 2002, 43. Jahrgang, Hagen 2001, S.
271-279.
- Elsbeth Keller und Pablo Arias Meneses, „Das Elisabeth-Haus an der Södingstraße“, S. 255, in: Hagener Heimatbund (Hg.), HagenBuch 2024, 2023, S. 251-261.
