Dr. Schlockermann

Annaberghöhe 1

Heinrich Schlockermann war zwischen 1934 und 1937 Richter im Erbgesundheitsgericht Hagen, das über Zwangssterilisierungen, -abtreibungen und -kastrierungen sowie Eheverbote entschied.

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Richter Heinrich Schlockermann, geb. 1900, war zwischen 1934 und 1937 im Erbgesundheitsgericht Hagen tätig, das im Amtsgericht Hagen angesiedelt war. In dieser Zeit fanden die meisten Zwangssterilisierungen in Hagen statt.

Schlockermann war ein überzeugter Nationalsozialist und Anhänger der Rassentheorien der Nazis. Er schätzte die Zahl der zu sterilisierenden „Erbbelasteten“ auf mehrere Hunderttausend deutschlandweit und übte Druck auf die Ärzte aus, damit sie mehr Patienten anzeigten.

Die richterlichen Beschlüsse sollten den Zwangssterilisierungen einen legalen Anstrich geben. Nicht selten entschied Schlockermann nach Aktenlage, ohne die betroffene Person je gesehen zu haben. Das rasche Arbeitstempo war nur deshalb möglich, weil die Beschlüsse dürftig begründet waren: Oft waren sie kaum eine Seite lang und bestanden aus wenigen pauschalen Formulierungen, die durch den Namen der jeweiligen Person ergänzt wurden.

Schlockermann wurde für seine Arbeit zum Landgerichtsdirektor befördert. Er starb 1941 in Russland.

Ich will mehr wissen:

  • Ausstellung „Behinderung im Wandel der Zeit“, 2021
  • Heinrich Schlockermann, Einige Fragen für den Amtsarzt aus der gerichtlichen Praxis des Erbgesundheitswesens, in: Arthur Gütt u.a. (Hg.), Der Öffentliche Gesundheitsdienst, Leipzig 1936, S. 950-953.
  • Rainer Stöcker, Vergessene NS-Opfer. Zwangssterilisierungen in Hagen, Hagen 2019, S. 55-56.
  • Bernd Walter, Psychiatrie und Gesellschaft in der Moderne. Geisteskrankenfürsorfe in der Provinz Westfalen zwichen Kaisereich und NS-Regime, Paderborn 1996, S. 505-522.