Dr. Haver
Buscheystraße 39
Dr. Paul Haver war chirurgischer Chefarzt und später ärztlicher Direktor des damaligen Allgemeinen Krankenhauses. Er führte Hunderte von Zwangssterilisierungen durch. 1955 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
Dr. Paul Haver, geb. 1872, war schon vor 1933 Chefarzt der chirurgischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses. Dort wurden über 500 HagenerInnen zwangssterilisiert. Er war der einzige Arzt in der Einrichtung, der die Eingriffe durchführen durfte. 1936 wurde er zum ärztlichen Direktor des Hauses ernannt.
Dr. Haver lehnte auf Anfrage ab, als Laienrichter beim Erbgesundheitsgericht Hagen mitzuwirken. Die Entscheidung bedeutete keinen Nachteil für ihn, da es sich um ein freiwilliges Amt handelte.
Dr. Haver wurde nie für die Zwangssterilisationen zur Rechenschaft gezogen. Er blieb bis 1948 ärztlicher Direktor. 1955 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Dr. Paul Haver, undatiertes Bild vor 1953
„100 Jahre Allgemeines Krankenhaus für die Stadt Hagen. 1853-1953“
Dr. Haver arbeitete seit 1902 im Allgemeinen Krankenhaus. Er war kein Nationalsozialist, kooperierte jedoch mit der Diktatur. Die meisten ÄrztInnen waren BefürworterInnen der Sterilisationen, die auch eine willkommene Einkommensquelle waren. Niemand wurde gezwungen, Menschen zu sterilisieren oder zu ermorden. Verweigerten ÄrtzInnen in einem Krankenhaus oder einer Anstalt die Durchführung der Maßnahmen, drohten ihnen höchstens die Versetzung oder eine frühzeitige Pensionierung.

Agaplesion-Allgemeines Krankenhaus Hagen, 2025
Dr. Haver war seit 1936 ärztlicher Direktor des Allgemeinen Krankenhauses, Vorgänger des heutigen Agaplesion – Allgemeinen Krankenhauses.

Buscheystraße 39, 2025
Benno Arias Viebahn
Dr. Haver wohnte in der Nähe seines Arbeitsplatzes. In der Buscheystraße standen damals mehrere repräsentative Wohngebäude.

Stolperstein für Gerda Oberbeck, 2025
Mehrere Sterilisierungsopfer starben, vor allem Frauen. Gerda Oberbeck starb, nachdem sie von Dr. Haver operiert worden war. Sie wurde nur 17 Jahre alt.

Meldung des Todes von Dr. Haver
Westfälische Rundschau 1.10.1955
Als Dr. Haver 1955 starb, lobte die Presse, er habe sich „unermüdlich für das Wohl der Patienten des Krankenhauses eingesetzt.“

Grab von Dr. Haver, Friedhof Buschey, 2025
Anna Arias Viebahn
Im Gegensatz zu vielen NS-Opfern hat Dr. Haver ein Grab. Es liegt in unmittelbarer Nähe der Begräbnisstätte der Familie Osthaus auf dem historischen Friedhof Buschey in Wehringhausen.
Ich will mehr wissen:
- Allgemeines Krankenhaus für die Stadt Hagen (Hg.), 100 Jahre Allgemeines Krankenhaus für die Stadt Hagen. 1853-1953, Hagen 1953.
- Rainer Stöcker, Hagener NS-Opfer. Zwangssterilisierungen in Hagen, Hagen 2019.
