Dr. Damrau
Prentzelstraße 10
Dr. Hans Damrau war ein fanatischer Nazi. Er leitete die städtische Wohlfahrt ab 1933 und half dem Gesundheitsamt, Sozialhilfeempfänger zu erfassen. Viele wurden sterilisiert oder ermordet.
Dr. Hans Damrau, geb. 1902, war ein überzeugter
Nationalsozialist. Er gehörte seit 1933 zur SA und zur NSDAP und wurde im
selben Jahr in Hagen zum Stadtrat ernannt. Seit 1940 war er auch SS-Mitglied.
1933 erhielt Damrau die Leitung der städtischen Wohlfahrt.
Er sorgte dafür, dass diese nicht mehr daran arbeitete, Bürgern in Notlagen zu
helfen, sondern die „arische Rasse“ zu verbessern. HagenerInnen, die
Wohlfahrtsleistungen beantragten, galten pauschal als „minderwertig“ und
„nutzlose Esser“. Viele von ihnen wurden beim Gesundheitsamt gemeldet und oft
sterilisiert oder ermordet. Hauptaufgabe der Wohlfahrtsfürsorge war „jeden
kranken Nachwuchs zu verhüten und die öffentliche Fürsorge für die minderwertigen
Volkskreise auf das allernotwendigste Maß zu beschränken“, so der Jahresbericht
der Stadt Hagen aus dem Jahr 1934.

Dr. Hans Damrau
NS-Propagandaheft „Drei Jahre nationalsozialistischer Aufbau in der Stadt Hagen“
Damrau wurde 1934 Bürgermeister der Stadt Iserlohn. Er war gleichzeitig in Westfalen und im Deutschen Gemeindetag für Wohlfahrtsfragen zuständig. Nach dem Krieg zog er nach Bochum.

Prentzelstraße 10, Wohnung von Dr. Hans Damrau
Benno Arias Viebahn
Damrau wurde nach dem Krieg aufgrund seiner SS-Mitgliedschaft interniert und kehrte nicht in den öffentlichen Dienst zurück. Er ließ sich in Bochum nieder und betrieb dort eine Firma.

NS-Propaganda des Amtes für Wohlfahrt
Zeitschrift „Volk und Rasse“, 11.1936
Die Propaganda zeigte schwerstbehinderte Menschen und erfundene Angaben über die angeblich ausufernden Ausgaben für „Minderwertige“. In Wirklichkeit kürzten die Nationalsozialisten die sozialen Ausgaben radikal. Die ersparten Summen wurden nicht in die vermeintlich „Vollwertigen“, sondern in die Aufrüstung und später den Krieg investiert.
Ich will mehr wissen:
-
Ausstellung „Gegen das Vergessen“, 2025
-
Internet-Portal „Westfälische Geschichte“
- Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt am Main 2007, S. 101.
- Helge Dvorak, Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, Band I: Politiker, Band 1: A-E, Heidelberg 1996, S. 181-182.
- Statistisches- und Presse-Amt der Stadt Hagen (Hg.), Drei Jahre nationalsozialistischer Aufbau in der Stadt Hagen, Hagen 1937, S. 72 ff.
- Rainer Stöcker, Hagener NS-Opfer. Zwangssterilisierungen in Hagen, Hagen 2019.
